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Wie damals die Menschen von dieser neuen Art zu singen fasziniert waren, so sind sie es heute vom Obertonsingen. Und wie damals die Konzertbesucher atemlos und konsterniert waren darüber, daß Menschen "so" singen konnten, so sind auch heute die Zuhörer fassungslos, wenn da aus der Kehle eines einzelnen Menschen zwei voneinander unabhängige Melodiebewegungen zu kommen scheinen - oder ganze Akkorde, aus den Tönen der Obertonreihe übereinander geschichtet. Sie wollen es nicht glauben; sie fühlen sich "auf den Arm genommen"; manche meinen, da sei eine versteckte Elektronik im Spiel, eine irgendwo hinter der Bühne verborgene Bandmaschine, die die zweite - und dritte und vierte! - Stimme "heimlich" einspielt. Jahrhunderte lang blühte die edle, alte Kunst des Obertonsingens in Tibet und in Nordindien, beim sibirisch-mongolischen Stamm der Tuwans, in buddhistischen Klöstern Japans und Chinas und bei wenigen begnadeten Sängern der südamerikanischen Anden. Manchmal klingt sie - rudimentär - im sich überschlagenden Falsetto der Flamenco-Sänger an, auch in den "umkippenden" Vokalisen afrikanischer Pygmäenstämme und in - immer seltener werdenden - bulgarischen und rumänischen Folklore-Gesängen. Auffällig ist, daß Obertongesang fast immer in spirituellem Kontext geschieht.
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